Reparatur
eines durchgebrannten Spur Z-Motors
von Peter Rachow 2008
Ein
grellblauer Blitz
aus
dem Führerhaus und meine
in
Spur Z stand und ließ sich
nicht überreden, weiter zu fahren. Diagnose: Ankerwicklung
durchgebrannt. Therapie: Anker neu bewickeln.
Was bei HO eigentlich kein Problem
ist (selbst für Grobmotoriker
),
wird bei Z zum Geduldsspiel.
Hier die Anleitung.
Werkzeug:
- Lupe mit
Ständer
- feine Pinzetten und
Scheren
- Lötkolben
- Bohrer 1 mm
- Schraubendreher
als "Hammerersatz"
Material:
- Kupferlackdraht 0,05mm
Durchmesser
Arbeitsschritte:
- die Lokomotive
öffnen, Gehäuse abbauen.
- Schleifkohlen, ggf.
Beleuchtung, Kondensator ausbauen.
- elektrische Leitungen
ausbauen.
- ggf. Zylinderblock
ausbauen.
- Fahrwerk öffnen,
Zahnräder und Räder ausbauen
- Magnet vom Motor
abschrauben.
Alle
Teile spätestens JETZT sicher verwahren, keinesfalls auf dem Tisch
liegen lassen! Man
findet sie sonst nie wieder!
- Jetzt muss der Anker
von der Schnecke abgezogen werden. Dazu wird das Fahrgestell mit dem
Anker
nach unten in einen Schraubstock gelegt (nicht eingespannt!!!) so dass
die Auflagefläche gegenüber des Ankers vollständig auf
den Backen des Schraubstocks aufliegt. Nun wird der 1mm-Bohrer in die
Bohrung der Schnecke gesteckt und sehr vorsichtig mit dem Knauf eines
Schraubendrehers geschlagen. Irgendwann fällt der Anker nach unten
heraus.
- Der Anker wird nun
komplett abgewickelt. Danach wird der Kollektor von der Welle
abgezogen. Beim späteren Neubewickeln stört er.
- Nun kann der Anker neu
bewickelt werden. Dazu werden auf jeden Pol des Motors ca. 230
Windungen
0,05mm-Kupferlackdraht gewickelt. Nachdem eine Wicklung komplett
aufgebracht ist,
wird das Drahtende mit einem Tropfen Klebstoff fixiert und 1 cm
hängen gelassen. Dem Klebstoff sollte man genug
Zeit zum Trocknen geben, denn es ist lästig, wenn das Ende des
Drahtes sich löst während man die nächste Kammer
bewickelt. Dann kommt der nächste Pol an die
Reihe. Die Wicklung sollte stramm aufgebracht werden. Achtung: Der Draht reißt sehr leicht!
- Sind alle 3 Pole
bewickelt, so verbindet man das Ende der Wicklung eines Poles mit dem
Anfang der Wicklung des Poles rechts davon. Zuerst werden die
Drähte verdrillt, dann wird die Stelle mit dem Lötkolben
verzinnt und zusammengelötet. Die Verzinnung sollte bis
ungefähr 0,2 cm unter die Wicklung reichen, d. h. relativ nahe an
sie
heran.
- Anschließend
wird der Kollektor wieder auf die Welle geschoben. Achtung: Die
Position des Kollektors ist wichtig! Ein Anschlusspunkt liegt in etwa
mittig zwischen 2 Ankerpolen bzw. etwas links davon (der Kollektor
liegt
bei dieser Sichtweise unter dem Anker).
- Jetzt werden die 3
Anschlüsse an die Polanschlüsse des Kollektors gelötet. Achtung!!
Nicht zu lange löten,
da sonst der Kollektor (bzw. seine Kunststoffbasis) schmilzt! 2 bis 3
Sekunden sind genug. Ggf. nach
einer Pause von 2 Sekunden nochmals nachlöten.
- Mit dem Ohmmeter
nachmessen ob alle Punkte kontaktiert sind. Der elektrische
Widerstand zwischen 2 Messpunkten sollte 15 bis 20
betragen.
- Jetzt den Anker in das
Fahrwerk einsetzen und die Schleifbürsten montieren. Es folgt der
Leerlauftest: Den Magneten
aufsetzen, festschrauben und 6..8 V= mit zwei Prüfklemmen an die
Schleifkontakte
legen. Wenn sich der Motor nicht dreht sondern nur ruckt ist
wahrscheinlich der Kollektor nicht richtig positioniert. Hier ggf.
nachjustieren indem der Kollktor versuchsweise um 30 bis 60°
weiter gedreht wird. Aufpassen, dass die Lötung nicht
abreißt!
- Dreht sich der Motor
(Stromaufnahme im Leerlauf 50 bis 80 mA), kann die Schnecke wieder
aufgedrückt werden. Dazu die Schnecke ansetzen, so dass sie
korrekt
am Anfang der Welle aufsitzt und dann den Anker vorsichtig auf den
Untergrund
(Tischplatte) drücken, so dass die Schnecke auf die Welle
geschoben
wird. Hier keine Gewalt anwenden! Eventuell mit dem Kunststoffgriff
eines kleinen Schraubendrehers von oben auf die Welle "hämmern"
Aber Vorsicht! Weniger
ist mehr!
- Jetzt die
Lokomotive komplett zusammenbauen. Tipp: Bei Dampfloks muss das
Gestänge sehr exakt ausgerichtet werden, sonst hakt der Antrieb
beim Fahren. Man beginnt dazu an der Schnecke und setzt zuerst alle
Achsen
ein (hierzu die Kontaktschleifer unter den Rädern vorsichtig
zusammenpressen), allerdings vorerst ohne die Zwischenzahnräder zu
montieren. Die Räder werden jetzt so justiert dass das Gestänge exakt
ausgerichtet ist. Man orientiert sich dabei am besten an den
Schwungmassen. Dann wird ebenfalls an der Schnecke beginnend das erste
Zwischenzahnrad eingebaut. Die dem Zwischenzahnrad abgewandte
nächste Achse
wird dazu
etwas angehoben und etwas dergestalt verdreht, dass sichergestellt ist,
dass die Achse in der späteren Endposition synchron mit der
vorigen Achse steht (wie
gesagt: die Position der Schwungmasse ist der Indikator!). Das Ganze
erfordert zugegebenermaßen sehr viel Geduld und
Fingerspitzengefühl. Mit etwas Übung hat man das Fahrgestell
allerdings in 10 Minuten zusammengesetzt und ausgerichtet.
- und nun noch:
Probe fahren!
Viel Erfolg!

(C) Peter Rachow 2008